Heute Abend zur besten Sendezeit wird Bundespräsident Christian Wulff vor die Kameras treten. In einem vorproduzierten Interview mit zwei ausgewählten Journalisten will er zu den Vorwürfen der vergangenen Tage Stellung beziehen. Was wird er sagen? Natürlich werden ihm die “Missverständnisse” der vergangenen Tage Leid tun. Ein Rücktrittsangebot? Fehlanzeige! Dabei wäre das für ihn und das Amt des Bundespräsidenten wohl das beste. Für mich ist das Fass bereits ordentlich übergeschwappt. Ein Bundespräsident, der in seiner “Kredit-Affäre” auf mich einfach nur überfordert wirkt, ist nicht mehr im Amt zu halten. Die einfache Konsequenz lautet da: Rücktritt.
Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Wir erinnern uns: Alles begann mit einem 500.000 Euro Kredit, den Wulff auf fragwürdige Art von seinem Unternehmer-Freund Geerken erhalten hat. Damit verstößt Wulff eindeutig gegen das Niedersächsische Ministergesetz. Das verbietet jedem Minister, und Präsidenten Geschenke anzunehmen. Dazu gehören auch zinsgünstige Darlehen. Das Argument, es handle sich hier um eine rein freundschaftliche Hilfe, zählt für mich nicht. Hätte Wulff den Kredit auch ohne sein Amt als einfacher Privatmann so günstig erhalten? Wohl kaum.
Dann stehen immer noch die spendierten Urlaubsreisen, die Wulff unternommen hatte, im Raum. Von Frankreich bis Amerika: Mehrmals weilte Wulff in Häusern befreundeter Unternehmer. Vielleicht als Dank für seine Politik als Ministerpräsident in Niedersachsen? Einige Freunde nahm Wulff dann auch mal mit auf Dienstreise. Wer hier keine Einflussnahme sieht, ist blind.
Der schwerwiegenste Fehler aber kam erst noch! Mit einer deutlichen Ansage auf der Mailbox von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann versuchte der Bundespräsident, eine unliebsame Berichterstattung zu verhindern. In meinen Augen ein unverzeihlicher Fehler, schlicht tölpelhaft. Wer innerhalb des vergangenen Monats drei Mal die Pressefreiheit als “hohes Gut” bezeichnet, darf sich so etwas nicht erlauben. Niemand steht über dem Gesetz, auch nicht der Bundespräsident.
Und nicht zu letzt nervt mich Wulffs Salamitaktik. Anstatt von Anfang an reinen Tisch zu machen, lese ich jeden Tag neue Ungereimtheiten über den Bundespräsidenten in der Zeitung. Wie lange soll das noch so weitergehen? Zu viel ist bekannt geworden, um die “Kredit-Affäre” einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Wulff ist seinem Amt nicht gewachsen und für mich längst unglaubwürdig. Da helfen auch keine Entschuldigungen zwischendurch, wenn danach so getan wird als sei alles in bester Ordnung. Lebe ich in einer Monarchie?
Es scheint fast so. Beide öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme werden heute Abend nach der Tagesschau gleichgeschaltet. Herzlichen Glückwunsch! Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, klären Sie die Vorwürfe auf und machen Sie Platz für einen Neubeginn. Alles andere wäre dem Amt des Bundespräsidenten unwürdig. Der König ist tot, es lebe der König.
Von Lennart Stock
Nicht nur das er versuchte bei Kai Diekmann zu intervenieren, er ging sogar noch weiter und kontaktierte den Vorstandschef Mathias Döpfner und Mehrheitsaktionärin Friede Springer. Außerdem war die Bild-Affäre nicht der erste Fall wo Wulff sich einschaltete, auch bei der WaS, zufällig auf Springer, wurde er tätig.
Untragbar.
Der beste Blogeintrag von dir, den du bisher im Medienbuero veröffentlicht hast!