Weihnachtsfeier im Medienbüro. Es gab eine große Herausforderung zu meistern. Jeder musste eine Weihnachtsgeschichte schreiben oder mitbringen. Wie es sich für Schreiberlinge gehört, haben wir unsere Geschichten natürlich selbst geschrieben.
O Tannenbaum
von Rita Weinert
Heiligabend, gegen Mittag, das war die Zeit, zu der sich mein Vater in die Stube einsperrte. Mit Säge, Hammer, Bohrer. Mit Kisten voll silbernen Weihnachtsschmuck und Lametta. Und mit einer drei Meter hohen Fichte. Er schraubte, er sägte, er bohrte. Und er fluchte höllisch.
Ab und zu drang der eine oder andere Fluch zu uns in die Küche, in der wir saßen und unserer Mutter halfen, Pellkartoffeln zu schälen und in dünnste Scheiben zu schneiden. Für den Kartoffelsalat, den wir mit Würstchen vor der Bescherung aßen. Und wir beteten: Lieber Gott, hilf unserem Vater, dass er die richtigen Äste absägt, dass er die Löcher nicht zu tief bohrt, dass er die Äste an die richtigen Stellen einsetzt. Und bitte, lieber Gott, lass ihn nicht abstürzen und sorg dafür, dass ihn nicht der Schlag trifft.
Alle unsere Kartoffelsalatgebete wurden erhört. Mein Vater stürzte nicht von der Leiter. Er bohrte die Löcher nicht zu tief für die Äste, die er umsetzen musste, damit der Baum beim Drehen gleichmäßig seine Arme ausbreiten konnte. Er erhielt auch keinen Stromschlag beim Anbringen der elektrischen Kerzen. Und die elektrische Orgel baute er richtig in den Tannenbaumständer ein.
So gelang es unserem Vater mit Gottes Hilfe auch dieses Mal, aus der kargen Fichte einen glänzenden Baum zu zaubern. Einen silbernen Baum mit einem Engel auf der Spitze. Einen Baum, der sich drehte und der singen konnte:
„O du fröhliche, o du selige, Gnaden bringende Weihnachtszeit…“
Same procedure as every year
von Tobias Borck
Same procedure as last year? Same procedure as every year!
Für mich gehört dieser Satz nicht zu Sylvester sondern zu Weihnachten.
Seit ich mich erinnern kann, läuft der Heiligabend immer gleich ab:
Immer dabei: Mama, Papa, Tante, Onkel, Bruder und ich.
Los geht’s in der rappelvollen Kirche. Dann Einzug ins Wohnzimmer mit tösendem „Jaaauchzet, Frooohlocket…“. Der riesige Baum biegt sich unter Äpfeln, Sternen und Kerzen. Reihum leuchten die Augen, die Geschenke werden aufgemacht. Zu Essen gibt es Ente in Aspik und Bratkartoffeln. Und dann wird gechillt.
Immer wunderschön und jedes Jahr gleich. Jedes Jahr? Nicht ganz. Das Jahr 1999 war ganz anders.
Zwei Tage vor Weihachten entschloss sich ein kleines Mädchen die gute alte Routine durcheinander zu wirbeln. Tante und Onkel wurden Eltern. Die kleine kam viel zu früh, aber sie wollte wohl unbedingt mitfeiern. Also gab es in diesem Jahr eine verkleinerte Runde unterm Baum und einen Weihnachtsbesuch auf der Neugeborenenstation.
Seit dem ist vor allem die Geschenkeaufmachrunde um zwei hell leuchtende Augen reicher. Und mittlerweile sagt die Kleine schon: „Heiligabend – Same procedure as every year!!!“
Schlagworte: Feier, Geschichte, Tannenbaum, Weihnachten
7. November 2009 um 18:37 |
Ein schönes Thema, Weihnachten. Aber leider sehr banal aufbereitet. Von einer Theologien hätte ich mir keine Kartoffelgeschichte erwartet. Und elektrische Kerzen? Frau Weinert! Als sie noch Kind waren, war gerade die Gasbeleuchtung auf den Straßen etabliert; elektrische Weihnachtsbaumkerzen gab es aber bestimmt noch nicht.