Trauer, Tränen und Depression. Die ganze Welt jammert über die Finanzkrise. Und wenn irgendwo gejammert wird, sind die Deutschen naturgemäß ganz vorne mit dabei. Die Banken fallen um wie Dominosteine, Opel bettelt um staatliche Almosen und an der Frankfurter Börse gräbt sich der DAX immer tiefer in seinen Bau. Kreativer Umgang mit der Krise – Fehlanzeige. Ganz anders in Brasilien. Da profitiert man von der Finanzkrise. Vorausgesetzt man verkauft Unterwäsche.
Auf der letzten Seite der Bildzeitung war heute (20.11.08) folgendes zu lesen:
Brasilia: Viele Einwohner Brasiliens sind auch von der Finanzkrise betroffen. Aber sie verlassen sich weniger auf die Politiker, sondern lieber auf gelbe Unterwäsche – die schon fast überall ausverkauft ist. Grund: In Brasilien gilt die Farbe gelb als Symbol für Geld.
Die typisch deutsche Reaktion auf diese Nachricht wäre:“Immer können die Brasilianer alles besser. Nicht nur im Fußball, jetzt auch noch im Umgang mit der Finanzkrise.“ Dabei könnte man so viel Inspiration aus dem brasilianischen Vorbild schöpfen.
Gucken wir uns den Run auf gelbe Unterwäsche im Sambaland mal genauer an. Da kaufen die Brasilianer haufenweise gelbe Unterwäsche. Ob Slips oder Boxershorts, ob BHs oder Unterhemden, ob Feinripp oder grobe Wolle – Hauptsache alles ist gelb. Eine andere Farbe kommt dem Brasilianer nicht mehr auf die Haut. In Zeiten, in denen das Geld bei der Bank nicht mehr sicher ist und in irgendwelchen Lehmann-Aktien versickert, macht das ja auch Sinn. Schließlich trägt man Geld am sichersten direkt am Körper. Und da Geld eher unbequem ist, tauscht man es eben gegen gelbe Unterwäsche. Denn Gelb steht für Geld.
Das freut die Textilindustrie. Die kann jetzt Geld scheffeln, in dem sie Gelb verkauft. Das muss sich nun der Rest der brasilianischen Wirtschaft als Vorbild nehmen: teure Imobilien gelb anmalen, nur noch gelbe Autos herstellen und gelbe Fernseher verkaufen. Schon würde die brasilianische Konjunktur wieder brummen, dem Aberglaube sei Dank.
Nun kann der Deutsche mit Farben nicht viel anfangen. Schwarz als Zeichen für Trauer geht grade noch, aber Gelb für Geld wirklich nicht. Vielleicht müssen es ja auch nicht unbedingt Farben sein, die die Wirtschaft retten. Doch deutsche Geschäftsleute hängen momentan traurig und antriebslos am Rockzipfel des Staates und sagen einen Weltuntergang nach dem nächsten voraus. Eine böse Bande um Dax, Dow Jones und Nikkei hat die ganze Kreativität aufgefressen.
Aber vielleicht ist die Lösung ganz einfach. Gelb ist Geld ist schon von Brasilien besetzt. Aber wir in Deutschland gibt es ja auch ein Sprichwort: Zeit ist Geld. Jetzt muss man nur noch Wege finden, um Zeit verkaufen.
Tobias Borck
Schlagworte: Brasilien, Deutschland, Finanzkrise, Fundstücke, Gelb, Zeit
21. November 2008 um 16:41 |
Hallo, Tobi, klasse Dein Stil! Ob Du einen Duden brauchst?Oder langt die Rechtschreibeprüfung? Fehlerfrei bis auf den letzten Satz. Da fehlt ein „zu“ verkaufen.
Grüsse ML